Bukit Lawang // Lake Tabo

Investition der Woche: Um die folgenden Geschichten dieses Artikels zu erleben, mussten wir nicht nur einige Indonesische Rupien in die Hand nehmen sondern auch jede Menge Zeit und Geduld investieren. Jetzt, wo die Woche herum ist, finde ich es hat sich beides gelohnt. Währenddessen hatte ich das allerdings das ein oder andere Mal in Frage gestellt. Aber lasst mich erzählen, womit wir die letzte Woche Zeit und Geld auf den Kopf gehauen haben. Dann kannst Du selbst entscheiden, ob Du es verrückt findest, dass man, nur um die Orang Utans in Sumatra zu sehen, für eine Woche dorthin fliegt. Oder ob Du mich verstehen kannst.

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Ort der Woche: Sumatra. Es gibt Orte auf dieser Welt, die üben seit jeher einen gewissen Reiz auf mich aus. Alle Schnipsel, die ich über jene Orte aufgefangen habe, haben sich im Kopf zu einem Bild vereint, welches die Aufwände einer Reise dorthin rechtfertigt. Auf dem bedeutendsten Schnipsel von Sumatra (dieses eine Puzzleteil hatte die Größe eines ganzen Gemäldes) befanden sich die Orang Utans. Denn nur hier und auf Borneo kann man diese, vom Aussterben bedrohten, Menschenaffen noch sehen. Außerdem gab es Schnipsel auf denen „untouristisch“, „ursprünglich“, „grün“, „prachtvolle Natur“ stand. Sumatra, das stand für mich also für Abenteuer, Dschungel, Affen. Und so machten wir uns von Lombok auf den Weg nach Medan, der Hauptstadt der sechstgrößten Insel der Welt. Und jetzt ahnt man schon, wo die ganze investierte Zeit blieb. Im Bus. Denn was auf der Landkarte aussah wie ein Katzensprung, erwies sich in der Realität als kurvige, mühselige, langwierige Autofahrt über Stock, Stein und Schlaglöcher. Die Fahrt nach Bukit Lawang, dem Ort wo wir die Orang Utans besuchten, dauerte auf Google Maps 2 Stunden, in Wirklichkeit aber doppelt so lang. Sumatra ist riesig. Ja, ich weiß, das kann man sich denken, wenn man doch schon selbst geschrieben hat, dass man sich auf der sechstgrößten Insel dieser Erde befindet. Aber die Maßstäbe der Landkarten täuschten hier mehr denn je über die eigentliche Länge der Wege hinweg. Schon bei der Ankunft im Dschungel war uns klar, dass wir nur noch ein, zwei weitere Orte auf Sumatra besichtigen würden. Die Distanzen, zu den Zielen die uns interessierten, betrugen teilweise 15 Stunden Reisezeit! Und das auf dem Papier… Statt eine Rundtour über den Norden in den Süden (des nördlichen Sumatras!) zu machen, fuhren wir also „nur noch“ zum Lake Toba, dem größten Kratersee der Welt, der durch einen Vulkanausbruch entstanden ist. Mitten in dem See liegt Samosir Island, eine Insel von der Größe Singapurs (nun sollte auch dem Letzten klar geworden sein, von welchen Dimensionen ich hier spreche). Dort entspannten wir uns 3 Tage, fuhren mit dem Roller herum und planten die Weiterreise. Um von hier zurück zum Flughafen nach Medan zu gelangen brauchten wir mit Fähre und Minibus 8 Stunden. Was wir jetzt brauchten war Urlaub vom Reisen! Allerdings stand nun der Weiterflug nach Hong Kong an. Aber nun erst einmal zu den lohnenswerten Erlebnissen auf Sumatra.

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Viech der Woche: Der Mensch des Waldes. Auf Indonesisch Orang Utan. Was für beeindruckende Wesen! Und wie ähnlich sie uns sind! Der Moment, wo der erste Orang Utan sich von den Kronen des Urwaldes zu uns hinab schwang, war in seiner Großartigkeit mit dem Ausmaß Sumatras zu vergleichen. Als das rothaarige Wesen sich schüchtern auf dem umgekippten Baum vor uns niederlies, blickte es auf einmal auf und schaute mich direkt an. Ich war so gerührt, dass mir Tränen in die Augen stiegen und ich eine Gänsehaut bekam (oder müsste es hier Affenhaut heißen?). Diese Affenmama war mit Sicherheit stärker als ich, und dennoch wirkte sie so zerbrechlich. Natürlich schwang in diesen Emotionen das Wissen mit, dass die Existenz der Orang Utans bedroht ist. Die schonungslose Rodung, der kostbaren Regenwälder Sumatras, sind immerhin ein Schnipsel, das mittlerweile jeder in Verbindung mit diesem Ort im Kopf hat. Wir begegneten noch drei weiteren Dschungelmenschen-Mamas. Diese aber waren, anderes als die erste Mutti, alle freigelassene, einst gerettete Orang Utans aus einer Auffangstation. Sie lebten nun wieder im Dschungel und es ging ihnen gut. Ein sichtbar gelungenes Projekt des WWF, der sich hier (unter anderen) schon lange engagiert. Was uns sehr beruhigte war, dass jede der Damen ein Kind dabei hatte. Damit wächst die Population der derzeit 7000 überlebenden Orang Utans. Dennoch, ich werde nie wieder ein KitKat essen. Denn Nestlé ist eines der Unternehmen, die für die Rodung des Lebensraums dieser Tiere mitverantwortlich ist. Sie verwenden das billige Palmöl besonders gern, für dessen Palmen der Regenwald auf Sumatra (und an vielen anderen Orten, vor allem in Indonesien und Malaysia) weichen muss. Leider ist Palmöl nicht nur in Schokolade sondern auch in anderen Lebensmitteln, in Pflegeprodukten wie Seifen und Shampoos, sowie in unzähligen anderen Dingen enthalten. Darauf zu verzichten ist also schwer. Für Länder wie Sumatra ist der Export des Öls natürlich auch ein Weg aus der Armut. Es schafft Jobs und Einkommen. Das Problem lautet also wieder einmal: Wie lassen sich Mensch und Natur in Einklang zu bringen? Ich glaube, dass vor allem profit- und geldgierige Unternehmen das Problem sind. Würde allein Nestlé auf andere, teurere, ökologischere Produkte umsatteln, wäre damit ein riesiger Unterschied gemacht. Und wenn ein KitKat dann 20 Pfennig mehr kosten würde, würde ich es auch wieder essen. Nun ja, ein schwieriges Problem. Eine einfache Art und Weise einen kleinen Beitrag zu leisten, wäre aber ein Klick auf diesen Link: Rettet den Regenwald

Hier kann man mit seiner digitalen Unterschrift vielleicht einen ersten Anstoß geben, die Dinge zu ändern wie sie heute sind. Ich kann nur hoffen, dass der Orang Utan niemals ausstirbt. Wie bei allen anderen bedrohten Tierarten, wäre es eine Schande, die dem ja so entwickelten Menschen, nicht zu verzeihen wäre.

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Endlose Palmöl Plantagen

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Die begehrten Früchte der Palmöl Palmen

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Erfahrung der Woche: Als ich neben unserem Guide Anuar stand, um den Orang Utan zu fotografieren der da vor uns baumelte, streckte dieser auf einmal seine Hand zu mir aus. Etwas ledrig und ziemlich stark behaart, aber dennoch unverkennbar eine ziemlich menschliche Hand. Was sollte ich nun tun? Nur zu gerne wollte ich ihm meine Hand reichen, doch mein Verstand verbot es mir. Oft hatte ich schon gelesen, man solle die Tiere nicht zu sehr an den Menschen gewöhnen, ein guter Guide würde die Tiere nicht füttern. Unser Guide tat aber genau das. Ich glaube, er war trotzdem ein guter Guide. Denn man merkte ihm seinen ungeheuerlichen Respekt vor diesen Tieren an. Er erklärte, man dürfe ihnen keine Kekse geben, nur Früchte die sie sonst auch im Dschungel finden würden. Außerdem seien diese Affen, die zuvor täglich mit Pflegern in Kontakt standen, bereits an den Menschen gewöhnt (um zu überleben). Wieder schwang die Hand des Orang Utans vor meiner Nase auf und ab. Der Guide sagte nun, ich solle mir schnell die Hände waschen, um sie von dem Moskitospray zu befreien. Dann reichte er mir eine Mandarine, die ich der hungrigen Mutti vorsichtig überreichte. Schneller als ich schlucken könnte, forderte sie das nächste Stück. Zärtlich nahm sie meinen Arm, um schneller an mehr Mandarine zu gelangen. Ihre dunkelbraunen Augen blickten direkt in meine. In dem Moment spürte ich, wie viel in diesem Wesen von uns Menschen steckt. Der Orang Utan ist mehr als nur ein Tier. Er ist unser Vorfahre und sein Erbgut ist zu 97% mit dem unseren identisch. Der direkte Kontakt mit dieser Affenmama berührte mich zutiefst. Es war eine der ergreifendsten Erfahrungen die ich je gemacht habe. Und die Zeit, die wir investiert hatten, um hier her zu kommen, war plötzlich jeden Cent wert.

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Beobachtung der Woche: Man lernt nie aus. Egal, wie viel man schon gereist ist, was man schon alles gesehen und erlebt hat, man kommt immer noch in Situationen, in denen man nicht sicher ist, wie man sich verhalten soll. Als uns unser Guide uns abends bei sich zum Essen einlud, wussten wir zum Beispiel nicht, ob wir ihm dafür Geld geben sollten. Oder würden wir seine Gastfreundlichkeit beleidigen, wenn wir ihm welches anböten? Der Fahrer der uns zurück nach Medan brachte, fuhr teilweise so gefährlich nah auf seinen Vordermann auf, dass ich mir als seine Beifahrerin mit zusammengebissenen Zähnen wirklich verkneifen musste, ihn zu rüffeln doch etwas vorschriftsmäßiger zu fahren. Die Vorschriften sind hier ja vielleicht anders – oder existieren scheinbar gar nicht. Und wenn am Tisch lauthals gerülpst wird oder die Frau nicht mit am Tisch sitzt, sondern abseits auf einer Bank, dann kann man eigentlich nur beschämt zur Seite blicken und so tun als wäre das normal. Hier ist das eben normal. Aber wo hört normal auf? Wenn man am nächsten Tag 12 € mehr für die Tour zahlt (der Guide wies uns darauf hin, dass wir schließlich bei ihnen gegessen hatten – ein teures Essen für hiesige Verhältnisse), versucht man dem Einheimischen das zu verzeihen. Man ist zwar enttäuscht und fühlt sich vorgeführt, dennoch kann man auch verstehen, dass die Menschen Geld zum Leben verdienen müssen. Der Guide kann es sich zum Glück erlauben seine Kinder zur Schule zu schicken. Vielleicht kann er das Schulgeld nur zahlen, wenn er von uns ein paar Euro mehr nimmt? Wann ist ein Preis fair? Wann gerechtfertigt? Wann fängt „über das Ohr hauen“ an? Und wo darf Toleranz aufhören? Auf Reisen wird man mit diesen Fragen tagtäglich konfrontiert. Immer wieder lernt man dazu. Nie lernt man aus.

Welche Verhaltensweisen haben Dich zum Verzweifeln gebracht? Welche Sitten haben Dich vom Hocker gehauen? Erzähl mir davon! Vielleicht können wir dann voneinander lernen und sind auf die Situationen von Morgen besser vorbereitet!

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Hotels:

In Bukit Lawang wohnten wir in der Eco Lodge. Öko wird hier wirklich ernst genommen – ich hatte in jedem Essen im dazugehörigen Restaurant eine Ameise oder Fliege (gehört im Dschungel eben dazu). Eine Nacht hatten wir ein Zimmer in der es statt einer Dusche eine traditionelle Schaufel mit Wassereimer gab. Meine Mähne hätte ich mir dort mit Sicherheit nicht waschen können. Aber es gab auch jede Menge andere, verschiedene Zimmertypen.

Auf Samosir Island wohnten wir im Dörfchen Tuktuk in den Tabo Cottages. Hier kann man in traditionellen Batak Häusern wohnen und es kommt ein bisschen Skirurlaubs Gemütlichkeit auf. Die Inhaberin ist eine Deutsche und es gibt sogar halbwegs dunkles Brot. Der Begriff „German Bakery“ war, wie wir fanden, aber leider etwas weit hergeholt. Dennoch ist es hier gemütlich und man kann sich in Ruhe erholen.

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