Reisen in der Elternzeit

Ganz gleich ob nach Holland oder Hawaii, ob Deutschlandtrip oder Fernreise – das Reisen in der Elternzeit wird immer beliebter bei jungen Mamas und Papas. Denn wann kann man sich schon gemeinsam 1-2 Monate (oder gar mehr) frei nehmen? Doch die Sorgen und Ängste vor einem großen Trip mit Mini haben sogar mich als Reiseprofi überrascht. Gerade angekommen in der „Ich will nur das Beste für mein Kind“-Wolke will so eine Reise etwas besser vorbereitet sein.

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Im Nachhinein erscheint ja immer alles leichter. Daher hier meine Tipps, damit Du schon vorher viel entspannter mit der Planung beginnen kannst und all die Gedanken an Fieber, Durchfall, unreines Trinkwasser, Viecher und sonstige Gespenster beiseite schieben kannst.

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Der richtige Zeitpunkt:

• Steht das Reiseziel schon fest, sollte die beste Reisezeit vor Ort bestimmen, wann ihr eure Reise beginnt. In der Nebensaison, nicht zu heiß, nicht zu viel Regen – das wäre wohl optimal.

• Wenn euer Arbeitgeber den Zeitpunkt vorgibt, macht es Sinn sich das Reiseziel nach einer passenden Reisezeit auszusuchen. Natürlich kann man das Wetter nie planen, aber Hagel zur Trockenzeit oder Schnee im Sommer kann man eben doch ausschließen.

• Eine weitere Möglichkeit wäre, den Reisebeginn nach dem Alter eures Knirpses zu richten. Es gibt da verschiedenen Vor- und Nachteile je Alter (wobei jedes Kind ja unterschiedlich weit entwickelt ist):

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Zwischen dem 3. und 7. Monat:

Vorteile:
• Das Würmchen schläft viel (ich wünsche es euch zumindest) und lässt sich im Kinderwagen oder Tragesystem einfach überall mit hinnehmen. So muss man bei der Tagesplanung vielleicht noch nicht ganz so viel Rücksicht nehmen.

• Essen ist noch kein Problem, denn (wenn alles klappt) hat Mama alles perfekt temperiert und keimfrei immer dabei.

• Mini ist definitiv noch klein genug, um im Flugzeug in dem Hängebettchen vorm Sitz zu schlafen. Meiner war mit 9 Monaten und 8 Kilo schon zu schwer und lang.

Nachteile:
• Das Kind erfreut sich eurer Nähe und der vollen Aufmerksamkeit. Das Reiseziel wird ihm aber, wenn es nicht gerade in der Arktis frieren muss, ziemlich egal sein.

• Die Haut ist noch SEHR empfindlich und man muss das Kind möglichst IMMER im Schatten halten. Dafür könnte der Schatten des Sonnenschirms den Bewegungsradius des Ausreißerchens noch überschreiten.

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Zwischen dem 8. und 12. Monat:

Unser Kleiner war 9 Monate alt, als wir nach Mexiko flogen. Für mich im Nachhinein der perfekte Zeitpunkt. Aus manchen Gesichtspunkten aber vielleicht auch nachteilig.

Vorteile:
• Toll fand ich, die leuchtenden Augen meines Sohnes zu sehen. Wenn er die lateinamerikanischen Karnevalstänzer sah, als er das erste mal Papaya oder Sand probierte, als er im karibischen Meer baden konnte, während in Deutschland trüber Februar war.

• Super war allerdings, dass ich auch tagsüber noch nach Bedarf stillte, was im Flieger, als Zwischenlösung am Strand und für die Abwehrkräfte gegen ausländische Killer-Bakterien sehr praktisch war. Ein Tipp zum Essen: Nehmt euch (je nach Reiseland und Kofferkapazität) das Pulver/Flocken für den Brei mit. Eine Freundin hatte mir aus der Elternzeit in Spanien berichtet, dass es den Brei dort nur mit Zucker gibt. In Mexiko war es auch so.

• Mittlerweile hat man ganz gut raus, warum das Kindchen weint. Wann es schläft und wann nicht. Was es isst. Das macht nicht nur das Reisen einfacher.

• Ich will nicht übertreiben, aber bei uns war’s wirklich so: Wir sind mit einem Baby nach Mexiko geflogen und mit einem kleinen Jungen wieder gekommen. Der etwas schüchterne Kerl hat sich in dem Monat an die kontaktfreudigen Mexikaner gewöhnt und total offen geworden. Und er ist durch die Sonne gesprossen wie Unkraut. (Krank war übrigens nicht ein einziges Mal).

• ALLES ist spannend und aufregend. Ein Flugzeugstuhl kann da locker 2 Stunden untersucht werden. Das Kind ist noch relativ klein und leicht – der Hintern schläft nicht sooo schlimm ein, wenn es das Kind auf dem Schoß tut.

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Nachteile:
• Mein Knirps hatte gerade begonnen zu Krabbeln und schon erste eigene Erkundungen zu unternehmen. Das war natürlich super toll, aber gleichzeitig auch etwas anstrengend, da man ständig auf ihn aufpassen musste, er alles in den Mund steckte und Mexiko ja nicht das sauberste Land der Welt ist.

• Auch mit dem festen Essen hatte er gerade begonnen, also reisten wir mit Pürierstab und versuchten, so gut wir konnten, seinen Essensrythmus beizubehalten ­– was super ging, natürlich aufwendiger war, aber auch Spaß machte, wenn man auf Märkten exotische Kürbissorten ausprobieren konnte.

• Die Minis haben schon eine richtige Meinung. Wenn sie keine Lust auf eine Autofahrt haben, dann machen sie das deutlich. Wir haben immer die Schläfe abgewartet, das hat gut geklappt.

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Das richtige Reiseziel:

Dieser Punkt war unsere größte Schwierigkeit. Sollten wir zu Dritt ein neues Land erobern? Oder lieber auf bekanntem Terrain üben? Wollen wir herum reisen? Und wenn ja, wie? Fernreise? Europatrip? Wir reduzierten die Welt der Möglichkeiten auf zwei Pläne: Einen Campervan Roadtrip durch Nordamerikas Nationalparks. Oder zum zweiten Mal nach Mexiko, mit drei-vier Stopps an Orten, die wir schon mal für gut befunden hatten. Wir hatten folgende Überlegungen:

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• Besonders wichtig war uns die medizinische Versorgung am Reiseziel. Deshalb schied zum Beispiel die Baja California aus. Zu einsam. Europäischer Standard wäre schon gut. Ein Krankenhaus Besuch wie wir ihn in Sri Lanka erlebt hatten – mit Baby unvorstellbar.

• Natürlich genau so wichtig: ein sicheres Reiseziel. Und das meine ich in Bezug auf die politische Lage, Krankheiten, Tiere, Unwetter… Eben alles, woran frische Eltern so denken könnten.

• Wir wollten außerdem möglichst viel Rücksicht auf unseren jüngsten Reisenden nehmen. ER sollte auch was von der Zeit haben, sich möglichst altersgerecht wohlfühlen, krabbeln, sich frei bewegen. Also nicht die ganze Zeit im Auto sitzen…und dann bei den Stopps im Tragesystem hängen. Deshalb entschieden wir uns gegen den Roadtrip durch die Nationalparks. Die Distanzen waren einfach zu groß.

• In ein Land zu fahren, das man bereits kennt, hat zwei Vorteile. Man weiß was einen erwartet. Und man hat nicht den Drang möglichst alles sehen und erleben zu wollen. Denn mit Baby kann man (meiner Meinung nach) einfach nicht genau so reisen wie ohne. Wenn man sich an Schlaf-, Ess-, und Spielzeiten des Kindes hält, hat der Tag nicht mehr so viele Stunden. Ich war froh, dass wir die „To-See’s“ der Gegend schon kannten. Wir konnten ganz entspannt in den Tag hineinleben und ohne schlechtes Gewissen oder Hummeln im Hintern die Zeit genießen. Außerdem wussten wir genau, welche Unterkunft sich eignet, welcher Ort cool ist und was wir dem Mini unbedingt zeigen wollten. Und mal ehrlich: mit so einem kleinen Lümmel an Board, sieht die Welt ohnehin ganz neu und spannend aus.

• Das Reisebudget spielte natürlich auch eine Rolle. Wir wollten gerne in ein Land reisen, in dem man sich eine schöne Unterkunft und tolles Essen leisten kann. Wir hatten keine Lust auf Hostels, Dorms oder überfüllte Chickenbusses.

• Dann hatten wir noch ein paar Reiseziele in der engeren Auswahl, die wir unserem Winzling zeigen wollen, wenn er größer ist. Da ich Zoos verabscheue, möchte ich in die Länder, wo man Tiere in freier Wildbahn beobachten kann, dann fahren, wenn er einen Elefanten von einem Hund unterscheiden kann.

• Die Anreise spielt eine weitere Rolle. Will man Fliegen, schwören viele auf Direktflüge. Ich finde, so lange das Gepäck durchgecheckt wird, kann ein Umsteigen auch ganz gut tun. Wir hatten einen Direktflug der 14 Stunden dauerte. Der Hinflug ging über Tag, der Herr wurde von uns beiden bespielt und schlief dann auf meinem Schoß. Mein Hintern war seeehr platt gesessen als wir ankamen. Auf dem Nachtflug auf dem Rückweg hatten wir 4 Sitze für uns und konnten sogar alle schlafen. Autoreisen können übrigens genau so strapaziös sein, je nach Verkehr, Reisezeit und Launen.

• Wir sind Roadtripper von ganzem Herzen. Die größte Freiheit beim Reisen bedeutet für uns ein eigenes Auto zu haben, immer dort zu stoppen wo es uns gefällt und so lange zu bleiben wie wir wollen. Ein Ziel, wo wir selbst von A nach B gelangen können (alleine schon wegen des Gepäcks) war für uns auch ein Kriterium. Die Option mit dem Camper kam in Mexiko leider nicht in Frage. So ein Haus auf vier Rädern ist nämlich optimal mit Kind – wir haben uns später im Jahr einen neuen (gebrauchten) Van gekauft und waren einen Monat damit auf Deutschland-Tour. Das Kind kann immer im gleichen Bett schlafen und das Auto ist sein Königsreich. Sein gewohntes Terrain. Das tut so einem Knirps ziemlich gut.

• Und zu allem Überfluss, wollten wir dann gerne auch noch Kiten (was noch mehr Gepäck und eine kleinere Reiseziel-Auswahl bedeutete). Zusätzlich sollte das Meer aber auch nicht so wild sein, dass die kleine Wasserratte nicht darin plantschen könnte. Ihr seht, es gibt einige Dinge die man bedenken muss und einige die man berücksichtigen könnte, um ein Reiseziel für die Elternzeit zu finden. Wir fanden unsere Wahl mit Mexiko perfekt. Allerdings glaube ich, wäre auch ein Trip nach Hintertupfingen grandios geworden – weil Reisen mit Kind einfach unwahrscheinlich wundervoll ist.

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Ein Artikel mit meinen empfohlenen Reisezielen für die Elternzeit folgt in Kürze.

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Ich hoffe, ihr macht euch mit eurem kleinen Wunder auf den Weg. Und habt eine fantastische Zeit da draußen. Es ist einfacher als es scheint. Man wächst mit seinen Aufgaben. Und die Minis sind glücklich wenn ihr es seid. Passt auf euch auf. Und erzählt mir, wie es bei euch war und wohin es euch verschlagen hat.

Und falls ihr nun auch Lust auf Mexiko bekommen habt, könnt ihr hier alles über unsere Mexiko-Reise ohne Kind lesen.

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Categories: Allgemein, Ausreißerchen

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