Finnland im Winter

Beobachtungen: Wenn wir Freunden erzählten, dass wir diesen Winter für 2 Wochen nach Finnland fahren würden, hörten wir immer die gleichen erstaunten Fragen: Ist das nicht viel zu kalt? Kann man sich das überhaupt leisten? Ist es da nicht ständig dunkel zu dieser Jahreszeit? Wir setzten noch einen drauf: Wir fahren mit dem Wohnwagen bis nach Lappland hoch. Ich muss allerdings gestehen, dass ich die meisten dieser „Vorurteile“ auch hatte, bevor ich mit der Reiseplanung begonnen habe. Warum wir dennoch im Winter nach Finnland wollten?

Wegen den Nordlichtern, dem Schnee und den damit verbundenen Aktivitäten (Snowboard, Langlauf, Hundeschlitten Fahrten) und wegen den gemütlichen Saunen und Blockhütten. Außerdem ein netter Nebeneffekt: im Winter sind (noch) nicht so viele Touristen unterwegs wie im Sommer.

Aber zurück zu den Bedenken:

Die Kälte: Der März ist eine gute Reisezeit, da die Temperaturen erträglich sind. Im Raum Helsinki waren es im die 0°, die kälteste Nacht in Lappland hatte -17°. Wer nicht gerade Nordlichter jagt, bekommt von diesen Tiefstwerten also nichts mit. Mit der richtigen Kleidung sind diese Minusgrade absolut erträglich. Außerdem handelt es sich um eine trockene Kälte, die sich nicht so schlimm anfühlt. Außer es kommt Fahrtwind hinzu. Bei Aktivitäten wie Ski-Doo, Hunde- oder Rentierschlitten Fahrten verleihen die Tourenanbieter aber warme Thermoanzüge gratis.

Die Dunkelheit: Zwischen Oktober und Mitte Februar sind die Tage kurz bis kaum vorhanden. Schon Anfang März gleicht die Dauer des Tageslichtes der in Deutschland. Die Sonne geht um 7 auf und um circa 7 wieder unter. Keine Angst also vor Depressionen.

Die Preise: Hierzu unten bei den Investitionen mehr. Kurz sei gesagt, dass Finnland schon etwas teurer ist als Deutschland, aber man mit etwas Geschick durchaus mit einem europäischen Budget reisen kann. Teurer als bei uns ist Essen im Restaurant (im Supermarkt ungefähr ähnlich) und vor allem die Touristenangebote und Touren. Auch hierzu später mehr.

Investitionen Finnland: Die Idee mit dem Wintercampen war die beste Entscheidung! Es ist nicht nur im Durchschnitt günstiger als Mietwagen + Hotel + Restaurant, sondern auch komfortabler als man sich das vorstellen mag. So ein Wohnmobil wird wunderbar warm, man kann (im Winter) problemlos wild campen. Das hat nichts mit dem gern zitierten „Jedermanns’s Recht“ zu tun, das gilt nämlich nicht für motorisierte Unterkünfte. Allerdings wird das Parken auf öffentlichen Parkplätzen oder an Stellen wo man die Natur nicht zerstört geduldet. Es heißt aber, dass sich das im Sommer schon geändert hat, da dann mittlerweile zu Camper das Land bereisen. Nordlicht-Jäger können sich dank Camper sogar die unfassbar überteuerte Nacht in einem dieser Glasiglus sparen (500€ die Nacht, mit Reservierung weit im Voraus). Denn aus dem Cockpit des Womos lässt sich das Naturschauspiel genauso gut beobachten. Und man geht nicht das Risiko ein, dass es genau am Tag der Übernachtung in der gläsernen Unterkunft bewölkt ist … Super schöne Unterkünfte waren in Finnland für 2 Personen ohnehin etwas schwer zu finden. Doppelzimmer haben hier oft Einzelbetten. Außerdem hätte man die vereinzelt netten Unterkünfte oder airbnbs die ich fand zur Sicherheit vorher reservieren müssen. Und das macht ja die ganze Freiheit kaputt …

Orte: Auf dem Weg von Helsinki nach finnisch Lappland versteht man den Spitznamen „Land der 1000 Seen“ sofort. Und denkt die ganze Zeit daran, wie wundervoll dieser Ort wohl im Sommer sein muss. Die winterliche Landschaft war natürlich auch wunderschön, aber eben sehr einfarbig. Statt des blauen Wassers glitzert aber zum Glück meistens der Schnee für uns in der Sonne. Und die Eisfischer und Langläufer zu beobachten, die das Eis für ihr Hobby nutzen, ist auch interessant. Außerdem was juckt uns der Sommer, wenn Finnland im Juli zum Eldorado für Mücken wird?

Ein besonders schöner Ort auf unserem Weg nach Lappland war jedenfalls die Gegend um Hossa, die sich zu allen Jahreszeiten wunderbar zum Wandern auf den ausgezeichneten Wegen und Pfaden eignet.

Einen Halt in Oulu kann ich auch empfehlen, die fünftgrößte Stadt hat Charme und ein schönes Viertel mit Cafés und Boutiquen direkt am See.

Oder ein Besuch der Glasbrennerei der weltbekannten finnischen Firma Ittala (der Ort heißt mittlerweile selbst Ittala). Ich hätte stundenlang in der warmen Fabrikhalle stehen und den Künstlern bei der Arbeit zusehen können. Besonders mit Kindern ist es sicher ein aufregendes Erlebnis. Direkt nebenan gibt es auch ein Outlet wo Stücke mit kleinen Fehlern, aber euch Premiumware verkauft wird.

Außerdem lohnt sich der kleine verträumte Skiort Ruka, in dem wir mit unserem Camper direkt an der Piste stehen konnten. Ob Finnland zum Skifahren allerdings so geeignet ist, dazu mehr im Artikel Lappland im Winter.

Viecher: Unser kleiner Umweg über Hossa wurde gleich mit zwei schönen Tierbegegnungen in freier Wildbahn belohnt, bei denen mein neues Teleobjektiv sich beweisen konnte. Zuerst sahen wir zwei Rentiere über einen einsamen zugefrorenen See spazieren. Langsam wagte ich mich immer weiter zu ihnen vor und hätte schließlich gar keinen Zoom mehr gebraucht, so unerschrocken reagierten die beiden auf unsere Erscheinung. Dann entdeckte ich auch die beiden elektronischen Halsbänder die sie trugen. „Ren“ heißt auf Finnisch „Haus“. Das Rentier ist als Haustier also an Menschen gewöhnt und darf sich scheinbar alleine in der Natur Gassi führen. Auf der Strecke Richtung Lappland sahen wir dann immer wieder Gehege, in denen die gehörnten Vierbeiner gehalten werden. Dass wir zwei Rudolfs so authentisch in ihrem natürlichen Umfeld beobachten durften, hatten wir uns nicht mal beim Weihnachtsmann gewünscht.

Das zweite Tier hätten wir übersehen, wenn es nicht mit Morsezeichen auf sich aufmerksam gemacht hätte. Und nur dank meines Zooms konnten wir sehen, dass es sich bei dem hämmernden Vögelchen, um ein ganz besonders schönes Exemplar seiner Gattung handelte. Ich hatte mir einen Specht immer recht groß und ganz braun vorgestellt. Ich klopfte drei Mal aufs Holz, dass ich mir das neue Objektiv gegönnt habe.

Erfahrungen Finnland im Winter: Schnee. Schon als Kind habe ich von einem richtigen Winter geträumt. Mit zugefrorenen Seen zum Schlittschuh laufen und dicken Schneetrauben an den Bäumen. Ohne die hässlichen dreckigen Stellen, die schon wieder überall durchscheinen, wenn man gerade den Schlitten startklar gemacht hat. Winter Wonderland ist wohl der häufigste und abgenutztes Ausdruck der das beschreiben soll, was man im Winter in Finnland vorfindet. Und tatsächlich sieht diese Winterwelt manchmal aus, als hätte jemand einen Disney-Filter über sie gelegt. Wenn nicht nur die Bäume und Wege glitzern, sondern sogar die Luft. Wenn abends das weiße Kleid, gegen ein rubinrotes getauscht wird, um den Tag angemessen zu verabschieden. Wenn kein Lied so gut passen würde, wie diese unendliche Stille, die der Schnee unserer sonst so lauten Welt abringt. Dann denkt man, dass das Wort Wunder doch ganz gut passt. Auch wenn man sich so bemühen wollte ein anderes zu finden. Wenn Du also nicht an Wunder(länder) glaubst, dann solltest Du mal hinfahren, nach Finnland im Winter.

 

Für meine Reiseplanung nutze ich die fantastische und aufschlussreiche Seite von Visit Finland.

Eine Packliste für den finnischen Winter findet ihr auf dem schönen Blog von Kerstin Paradise Found.

1 reply »

  1. Ich war im Spätsommer schon einmal in Finnland, an einem der großen Seen. Der Winter in Finnland ist aber offensichtlich auch sehr reizvoll – was mir besonders durch deine wunderschönen Fotos und den gut formulierten Bericht klar geworden ist. Scheinbar muss ich nochmal nach Finnland. Im Winter.

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