Palermo Cityguide

Palermo Cityguide – Beobachtungen:

Palermo ist eine Stadt, für die man keinen Reiseführer braucht. Wenn man 2 Tage durch die Gassen der Sizilianischen Hauptstadt schlendert, hat man ziemlich wahrscheinlich, auch ohne ständiges Kartenlesen, alle sehenswerten Dinge entdeckt. Und ich liebe es, einen Ort so entdecken zu können – ohne ständig die Orientierung zu verlieren, ohne den eigenen Standpunkt immer wieder auf einer Karte bestimmen zu müssen. Einfach hinein ins Getümmel, die Sinne geschärft, und auf in die fremde Welt:

Palermo duftet nach Staub. Nach stickiger, heißer Luft, die jeder Meeresbriese, die vor den Toren der Stadt weht, den Einlass verwehrt. Palermo riecht nach Müll und Urin. Und dann plötzlich nach den saftigen Orangen eines Obstverkäufers. Die feuchte Luft scheint jeden Geruch zu duplizieren und ihn wie unter einer Glocke zu konservieren.

Palermo sieht wunderschön aus. Wenn man am morbiden Charme alter Gemäuer Gefallen findet. Wenn einem das kriechende Moos auffällt, das zwischen bröckelnden Fassaden wohnt, wenn man die krummen Kakteen sieht, die sich auf staubigen Balkonen sonnen. Hippe Cafés, lässige Klamottenläden und cool designte Restaurants findet man hier wenige, wenn man gut hinschaut, findet man erste inspirierende Ausnahmen.

Palermo schmeckt nach Sommer. Nach Gelato, frisch gepressten Orangen, Obst in vorbildlichsten Größen, Gemüse in seiner saftigsten Form. Mehr als Fruchtiges und Saftiges lässt die Hitze ohnehin nicht zu. Das Hungergefühl meldet sich erst nach Sonnenuntergang. Ein köstlicher Cappuccino zum Frühstück, vielleicht ein süßes Canoli dazu, mehr passt nicht rein. Am zweiten Morgen probieren wir es mit Eis im Brötchen zum Start in den Tag. Auch nicht schlecht. Abends holt man dann alles nach, was man tagsüber verschwitzt hat (im wahrsten Sinne des Wortes). Pizza, Pasta, Meeresfrüchte, Aranchini, Risotto. Alles genau so, wie der wässrige Mund es sich erhofft hatte. Die Spezialität „Milzbrötchen“ lehnen wir dankend ab. Irgendwo hört der Gaumenspaß auf.

Palermo klingt gar nicht so wild, wie ich es mir vorgestellt hatte. Klar knattert hier und da in italienischer Manier eine Vespa hautnah an einem vorbei. Oder jemand hupt „Mama mia“ blöckend und wild gestikulierend. Aber die Geräuschkulisse ist längst nicht so belästigend wie in Rom. Es ist also durchaus möglich, auch mal in Ruhe durch die Gassen zu schlendern.

Palermo fühlt sich noch so richtig authentisch an. Echt italienisch. Aber auch ein bisschen arabisch und afrikanisch. Schon seit jeher ist Sizilien, bedingt durch die Lage und den ertragreichen Boden, von verschiedensten Kulturen geprägt. Das Schönste an Palermo ist vielleicht, dass hier nichts poliert ist. Palermo ist echt. Mit Ecken und Kanten und bröckelndem Putz. Und um die Frage einiger Freunde zu beantworten: Ja, Palermo fühlt sich übrigens auch sicher an. Und nein, wir hatten nichts mit der Mafia zu tun. Das Einzige was wir in Sachen Mafia zu Gesicht bekamen war dieser Plan, auf dem alle Geschäfte verzeichnet sind, die sich weigern „Pizzo“ zu zahlen, also das Schutzgeld, das sich die Mafia mit brutalen Methoden von den Geschäftstreibenden einheimst. Eine mutige Bewegung, die gerade Touristen unbedingt unterstützen sollten.

Palermo Cityguide – Klassiker:

  • San Cataldo: eine wunderschöne Kirche. Auch für Ungläubige wie mich sehenswert. Sie ist eine der letzten Kirchen auf Sizilien im arabisch-normannischen Stil und sieht richtig schön exotisch aus.

  • Quattro Canti: die pompöseste Straßenkreuzung die ich je gesehen habe. In allen 4 Ecken ist ein Brunnen und man nennt sie auch „das Theater der Sonne“, weil immer eine der Ecken in Sonne getaucht wird. Gute Idee oder?
  • Teatro Massimo, eines der größten Opernhäuser Europas, wurde aufwändig restauriert und ist erst seit 1997 wieder geöffnet.

  • Der Botanische Garten. Ich habe leider den Fehler gemacht und auf Tripadvisor die Bewertungen hierzu gelesen, die nur durchschnittlich waren. Jetzt bereue ich, nicht doch dort vorbei geschaut zu haben. Immerhin hat ihn Goethe als „den wunderbarsten Ort der Welt beschrieben“. Gut, das war vor 200 Jahren und vielleicht hat sich sein Zustand ja wirklich verschlechtert. Ich hätte mir trotzdem selbst ein Bild machen sollen. Vielleicht kannst Du ja berichten, wie er Dir gefallen hat?
  • Mondello. Der Stadtstrand von Palermo. Überall bin ich bei meinen Recherchen auf ihn gestoßen und er wurde immer so lobend erwähnt, dass wir mit dem Bus die Busfahrt von ca 40. Min auf uns nahmen. Wir fanden diesen Ort so schrecklich, dass wir sofort wieder zurückfuhren. Vom Sand war nicht mehr viel zu sehen, weil er komplett mit kleinen Holzhäusern, Sonnenliegen und -schirmen vollgestellt war – für die man auch noch teuer bezahlen sollte. Die Stelle, wo man sein Badetuch hätte hinlegen können war hässlich und nicht gepflegt. Es war brechend voll (gut, es war ein Samstag) und alles drehte sich ums Geld ausgeben. Sogar klapprige Kirmes Fahrgeschäfte säumten die Straße, die zusätzlich auch noch direkt man Strand entlang führt. Mein Fazit: Mondello kann man sich sparen.

Palermo Cityguide – Kulinarisches:

  • Eiscreme im Brioche. Ich habe Italienkenner gefragt, anscheinend gibt es sowas tatsächlich nur auf Sizilien. Die Eissorten die es hier gibt sind ebenso außergewöhnlich. Ein Eis am Tag reicht da manchmal nicht, um alles zu probieren.

  • Canoli. Gebäckrollen mit süßer Ricottacreme gefüllt.
  • Aranchini. Das sind frittierte Reiskugeln in der Größe und mit dem Gewicht eines Feldhockeyballs. Gefüllt werden sie mit unterschiedlichen Leckereien. Mozzarella, Schinken, Bolognese mit Erbsen…Sehr sehr lecker.
  • Pistazien. Da eine ganz besondere und berühmte Pistaziensorte, die Bronte Pistazie aus Sizilien stammt, wird sie hier für sehr viele Gerichte verwendet. Auf Nudeln gestreut, in Creme für süße Desserts und natürlich im besten Pistazien Eis der Welt zu finden.
  • Wein, Olivenöl, Zitronen, Orangen, Melonen, Meeresfrüchte…man könnte meinen auf Sizilien gedeiht alles! Essen kann man auf Sizilien fast überall ausgezeichnet.

Restaurants & Cafés:

Guten Kaffee, Croissants oder leckere gefüllte Pistaziencreme Brioches bekommt man im Prinzip überall in bester Qualität. Besonders schön sitzen gleichzeitig schlemmen kann man in der Casa Stagnitta unweit der San Cataldo Kirche. Hier konnte ich meinen Kindheitstraum vom Eis zum Frühstück wahr werden lassen.

Ein absolutes Muss ist ein Besuch im Seven Restaurant. Der Blick auf die Stadt ist so köstlich, dass er als Aperitif durchgeht. Wer sicher gehen möchte einen Platz zu bekommen reserviert besser. Für das, was einem hier geboten wird, sind die Preise lächerlich gering!

Wer den Hals nicht voll bekommt, probiert vielleicht direkt die Palermo Street Food Tour?

Oder macht den Kochkurs Cooking with the Dutchess?

Im Vino & Pomodoro gibt es ein günstiges und leckeres Mittagsmenü. Und Sonnenschirme.

Und die coolste Bar die ich gesehen habe, obwohl sie an einer großen Straße liegt, war der Chiosco.

Und wenn es Dir wie uns geht und Du Dich gegen 5-6 Uhr nach Schatten und gemütlichen Lounge-Möbeln sehnst, dann findest Du auf der Dachterrasse des Kaufhauses La Rinacente was Du suchst.

Du willst alle Köstlichkeiten die ich oben beschrieben habe aus einer Hand? Den leckersten Arancini „Knödel“ und hinreißende Canolis haben wir und in der Pasticceria Alba bestellt. Und zwar mit dem iPad direkt an den Tisch. Praktisch, denn es gibt Fotos zu allem. Der Laden liegt etwas außerhalb, wir haben ihn also auf  dem Weg aus der Stadt (Richtung Trapani) besucht, als wir zu unserem Trip durch den Westen aufgebrochen sind…

Helsinki Cityguide – Einkaufen:

Wie gesagt, wer shoppen möchte, fährt besser woanders hin. Zum Beispiel Reykjavik. Aber rund um den Concept Store Link 0.2 findet man ein paar kleine interessante Shops. 

Außerdem ist mir der kleine Laden Insula aufgefallen, der in einem Hinterhof gegenüber der Galleria Arte Moderna in einem Hinterhof versteckt ist.

Helsinki Cityguide – Schlafen:

Es gibt viele unglaubliche Airbnbs in Palermo, auf Sizilien insgesamt. Wenn ich wiederkomme, werde ich wieder mein Glück versuchen, ein Zimmer Butera 28 zu bekommen. Leider waren in dem Palast aus dem 16 Jahrhundert keine Zimmer mehr frei. Nächstes Mal reserviere ich früher! Vielleicht hast Du ja mehr Glück… Der Palast war die letzte Residenz des Schriftstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa, der Autor des berühmtesten sizilianischen Romans „Der Leopard“. Er war außerdem der Adoptivvater von Nicolettas Ehemann. Nicoletta is wiederum die Dutches, die die oben erwähnten Kochkurse gibt.

Falls Du noch ein bisschen mehr über die Mafia in Palermo lesen willst, kannst Du mal bei Philipp von Wow Places vorbeischauen.

Und auch den Blog der Stilnomaden habe ich gerne gelesen und dort (neben einem Artikel der Geo Saison) das Butera 28 entdeckt.

Categories: Allgemein, Palermo, Städte

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