Copacabana // Titicaca See // Isla del Sol

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Erfahrung der Woche: Obdachlos auf dem Titicaca See. Immerhin nicht auf offener See, sondern auf der Isla del Sol. Das Gefühl nicht zu wissen, ob man nun nachts entweder ohne Zelt und Schlafsack am Strand schlafen wird oder eingequetscht zwischen einigen ziemlich hippiemäßigen Argentiniern (die uns aus Mitleid ein Stück ihres Bettes anboten) war definitiv nicht die angenehmste Erfahrung der Reise. Dass die Insel aber auch vor Argentiniern nur so überquellen würde, hatte uns niemand gesagt. Nicht einmal der sonst ach so zuverlässige Lonely Planet. Also spazierten wir nach der Ankunft unserer Fähre im Norden der Insel erstmal in aller Seelenruhe zu einigen alten Ruinen der Inkas, legten uns dann für zwei, drei Stündchen an den Strand und gingen dann noch Abendessen. Alles, ohne uns vorher ernsthaft um eine Unterkunft zu kümmern. Konnte ja keiner wissen, dass es 3 Stunden brauchen würde eine Tomatesuppe für Hanna aufzuwärmen und mir eine Forelle zu braten. Gut, ahnen hätte man es können, immerhin kennt man in Bolivien keine Eile und auch keine Zeiteffizienz. Als wir das Restaurant dann jedenfalls endlich verließen war es dunkel und jedes Hostel voll. 2 Stunden und circa 35 ausgebuchte Hostels später, machte sich ein etwas mulmiges Gefühl in unseren, immerhin nicht mehr hungrigen, Mägen breit. Wir kamen uns langsam etwas dumm vor, mit unseren 2 Flaschen Rotwein im Rucksack und unseren 0,0 Schlafsäcken und Zelten im Gepäck. So unfreundlich die Hostelbesitzer waren, so nett waren die Argentinier. Einer, mit Dreadlocks bis um Allerwertesten, verhalf uns letztendlich zu einem leeren Raum, der nach Farbe stank und in den zwei Plastikmatratzen und 2 Decken gelegt wurden. Wir haben das spartanischste Zimmer der ganzen Reise geschätzt wie einen Palast, denn es hatte ein Dach und zwei Decken. Zum Glück findet sich immer irgendeine Lösung und nachher, in diesem Fall sogar währenddessen, kann man drüber lachen. Und man hat wieder eine neue Erfahrung gemacht.

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Ort der Woche: Isla del Sol, mitten im Titicaca See. Man munkelt der Titicaca See sei der höchst gelegene Binnensee der Welt. Das sagt zu mindest der Lonely Planet, den ich schon alleine deshalb nicht mag, weil schon sein Name eine glatte Lüge ist. Einsam sind die Orte an die man durch ihn gelangt nämlich ganz und gar nicht. Hanna würde das mit der Höhe allerdings bestätigen, da sie auf der Sonneninsel auch deutlich ihre Schattenseiten zu spüren bekam, die der Höhenkrankheit. Geplagt von Fieber, Übelkeit und Magen-Darm quälte sie sich über die tagesmarschgroße Insel. Laut der Inkas wurde hier die Sonne geboren. Alleine zu sehen wie sie zu Bett geht, am Ort ihres eigenen Namens, war ein Spektakel, dass die 2,5-stündige Bootsfahrt allemal wert war. Die Isla del Sol ist nicht nur für Sonnenanbeter ein absolutes Muss, sondern für jeden Bolivien-Reisenden der eine schöne Landschaft zu schätzen weiß. Und das wird wohl jeder, der dieses, bisher schönste Land meiner Südamerika Reise, zu sehen bekommt.

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Beobachtung der Woche: Man kann soviel beobachten wie man will, nur ein unbeobachteter Moment reicht aus und man wird beklaut. Man sagte mir, dass wohl jeder auf seiner Reise durch Lateinamerika mindesten einmal bestohlen wird. Ich klammerte mich an die Hoffnung, dass es bei den Havaiannas bleiben würde die man mir hinterlistig, quasi unter dem Rücken weg, am Ipanema Beach klaute. Auch als der Busfahrer uns beim Einsteigen in den Bus nach Cusco warnte, wir sollen vor Kamera-Dieben aufpassen, fiel der (von den Dieben nicht angerührte ) Groschen nicht und wir schliefen arglos ein. Erst im Hostel fiel Hanna dann ihre fehlende Kamera mit den Fotos vom gefangenen Piranha, der Hand auf der Anaconda und den Affen auf unseren Köpfen auf. Schlimmer als die Kamera waren da noch die Fotos, welche die bisherigen Erlebnisse für uns noch unvergesslicher machen sollten. Am schlimmsten war allerdings, dass wir gewarnt worden waren. Dass wir es hätten vermeiden können. Ein Rätsel ist uns nach wie vor, wie der Dieb unbemerkt an den Rucksack unter Hannas Beinen gelangen konnte. Ihn öffnen, durchsuchen und schließen konnte ohne, dass wir es bemerken konnten. An mp3-Playern scheinen die hier nicht interessiert zu sein. Aber die speichern ja auch keine Erinnerungen und wären zu verkraften. Zum Glück können sie einem die Erinnerungen selbst nicht klauen. So eine Reise hat man für sein ganzes Leben. Die nimmt einem keiner mehr weg.

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Viech der Woche: Fisch. Kein so spannender wie der Piranha letzter Woche, sondern nur gewöhnliche Forellen. Die haben dafür aber auch deutlich mehr auf den Rippen und kamen quasi direkt aus dem Titicaca See auf den Teller. Deshalb habe ich auch an 4 von 5 Tagen Fisch gegessen. Da war also quasi jeden Tag Freitag. Frei haben wir sowieso zu wenig. Bei den ganzen Touren und Trips könnten wir einen wirklich freien Tag mal ganz gut gebrauchen. Aber ich will mich mal nicht beschweren, besser jeden Tag Freitag und keinen Tag frei, dafür aber keine Verpflichtungen. Außer Busse buchen, Hostels organisieren, Fotos schießen und Eindrücke sammeln.

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Investition der Woche: 25 Soles (5€) für eine „Hot Stone Inca Massage“. Auf diese geniale Idee mussten wir auch erstmal von 4 Australiern gebracht werden die wir im Hostel kennenlernten. Als wir beim gemeinsamen Frühstück dann von Preis und Leistung hörten, brauchte es keine weiteren Einzelheiten und wir waren begeistert. Noch begeisterter waren wir nach einer Stunde der entspannenden Behandlung mit Öl und heißen Steinen, die einen abwechselnd auf den Rücken und in die Handflächen gelegt wurden. Das hatten sich unsere Rucksack, Nachtbus und Hostelbett- geschädigten Rücken wirklich verdient. Die Massage war sogar so gut, dass es nicht einmal störte, dass im Hintergrund Michael Jackson und Celin Dion auf Panflöte gespielt wurden. Das könnte man sonst ja nicht einmal mit Schlaftabletten aushalten.

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Rest der Woche: Eine schöne zweite Woche mit Hanna. Von Copacabana aus ging es für 2 Nächte auf die Isla del Sol. Nach einer weiteren Nacht in der zwar recht touristischen, aber sehr schönen Stadt Copacabana (die nicht im geringsten etwas mit ihrem bekannteren Namensvetter zu tun hat) ging es über Nacht in 11,5 Stunden Busfahrt über die Grenze nach Perú und nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt der Inkas. Von hier aus geht am 24. Januar ein weiteres Highlight der Lateinamerika Reise los, der Inka Trail. Um uns auf die Höhe und Anstrengung vorzubereiten sind wir 3 Tage vorher angereist. Und um uns zu akklimatisieren und nach den letzten Touren mal ein paar Tage am gleichen Ort zu gönnen. Auf 4 Tage Wandern und Zelten freuen wir uns trotzdem wie die Schneekönige. Wobei es wahrscheinlich eher Regenkönige sein werden, da wir uns inmitten der Regenzeit befinden. Aber vielleicht sind uns die Sonnengötter der Isla del Sol ja jetzt gnädig, nachdem wir dort brav alle ihre alten Tempel besichtigt haben.

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