Atacama Wüste // Salar de Uyuni // Potosí

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Erfahrung der Woche: Ich habe das erste Mal richtig atemberaubende Natur erlebt. Und zwar in jeglichem Sinne! Freitagmorgens um 8 Uhr ging es nämlich nicht nur über die schöne Chilenische Grenze nach Bolivien, sondern auch auf eine Höhe von maximal 5000 Meter. Atemberaubend. Das erste Mal habe ich also zu spüren bekommen, wie es sich anfühlt auf dem Dach der Welt. Nach nur wenigen Metern ist man außer Atem, wenn man sich bückt um ein Foto zu schießen wird einem auf dem Weg nach oben schwindelig. Man hat ständig die Nase zu, was das Atem nicht gerade erleichtert, das Schlafen sowieso nicht. Jedes Mal, wenn man seine Schlafposition ändert, wacht man japsend auf und fühlt sich als wäre man gerade schlafgesprintet. Eine weitere damit zusammenhängende Erfahrung war der Genuss von Kokablättern (die Blätter des Strauches sind harmlos, aus seinen Samen wird Kokains hergestellt). Die Einheimischen kauen hier gegen die Höhenkrankheit auf ihnen herum. Und da man beim Reisen eben (fast) alles probiert was die Lokals so machen, habe ich es natürlich auch probiert. Nachdem ich 10 Minuten auf den recht harten, kleinen grünen Blättern herumgekaut hatte, merkte ich zwar nichts von irgendeiner Wirkung, aber genoss den angenehmen Geschmack von grünem Tee in meinem nach Sauerstoff lechzendem Mund. Ob mir das Zeug geholfen hat weiß ich nicht, eine interessante Erfahrung war es allemal. Was mir jedenfalls außerdem den kokagetränkten Atem raubte, war die Landschaft auf dem Weg von San Pedro de Atacama (Chile) nach Uyuni (Bolivien). Aber dazu beim „Ort der Woche“ mehr, hier lieber schnell noch zu einiger weiteren jungfräulichen Erfahrung der Woche, dem Sandboarden. Da ich mich momentan ja wie ein Zugvogel um den Winter in Deutschland drücke, muss ich auf die Freude des Wintersport verzichten (wie der ungönnerhafte Neider vielleicht denken mag). Da ich mir diesen Spaß aber nicht 1,5 Jahre entgehen lassen kann, habe ich eben einfach eine riesige Sanddüne, erst mit einem Snowboard dann schließlich auch noch mit Skiern unsicher gemacht. In Shorts, bei Traumwetter und alpenübertreffender Landschaft musste das Ganze ja wenigstens einen Nachteil haben: es gab keinen Lift. Nach 2 Abfahrten hatte ich den Dreh, bzw. Schwung dann auch raus und konnte die Piste 4 weitere Male ohne Sandkasten in Mund und Ohren meistern. Aber ich kann alle beruhigen, die sich fröstelnd auf ihren Wintersport diesen Winter freuen: es wedelt sich doch besser im Schnee als im Staub. Aus dem Staub habe ich mich nun auch in Chile gemacht, jetzt rufen die wirklichen Erfahrungen dieser Reise, in den kulturell völlig anderen Ländern dieser Welt: Bolivien und Peru.

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Ort der Woche: La Laguna Colorada, Bolivien. Dieser unwirklich schöne Ort liegt auf dem Weg zwischen San Pedro de Atacama in Chile und der Salar de Uyuni in Bolivien. Waren bisher die Whitsunday Islands und die Emerald Lakes in Australien und Neuseeland mit ihren türkisen Gewässern meine Favoriten, beeindruckte mich diese Lagune mit ihren intensiven Rottönen. Das Wasser in dieser Lagune war so rot, dass wir spotteten es sei in Wirklichkeit das Blut der Backpacker die kein Trinkgeld gegeben haben. Und um das Paradies noch unwirklicher erscheinen zu lassen, badeten in dieser bildschönen Landschaft auch noch ein paar Flamingos ihr pink und hellrosafarbenes Gefieder. Der wolkenlose Himmel über diesem „Ort der Woche“ war das stahlblaue i-Tüpfelchen über dieser farbenfrohen Wunderwelt.

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Beobachtung der Woche: Wer nach Australien reist, lernt als aller erstes “No worries”. Wer nach Südamerika reist sollte nicht nur “No worries“ haben, sondern am besten auch viel Zeit und eine ordentliche Portion “I don‘t care“. In Südamerika funktioniert die Welt anders. Das unsere Fahrer auf der Wüstentour während der Fahrt eine rekordverdächtige Anzahl an Kokablättern verschlang war das eine. Dass er an dem Morgen, an dem die gesamte Gruppe um 3.30 in der Früh aufstand um den Sonnenuntergang zu sehen, der Einzige war der verschlief war zu erwarten. Aber dass er dann am Steuer tatsächlich weiterschlief schockte uns dann doch! Da ich die Einzige war die Spanisch sprach, musste ich versuchen ihn irgendwie wach zu halten, was mir nicht durchgehend gelang. Zum Glück gibt es in der Wüste keine Bäume gegen die man fahren kann. Auch in Chile, dem wohl unsüdamerikanischsten Land kann es passieren, dass man 50 Minuten auf den Kellner wartet, oder 30 Minuten in einer Schlange für ein Eis ansteht, da nur eine Person von den 3 sich hinter dem Tresen befindlichen Personen es für nötig hält die Gäste zu bedienen. Zeit hat hier einen anderen Wert. Man darf eben nichts zu ernst nehmen und sollte alles locker sehen. Passend zur „Beobachtung der Woche“ erscheint der Blog dieses Mal also auch mit Verspätung. Das liegt aber nicht an meiner schwinden deutschen Pünktlichkeit sondern an der Tatsache, dass ich die letzten Nächte ohne Internet und auch oft ohne heißes Wasser verbracht habe. Das gehört wohl auch zum nördlicheren Südamerika. So bekommt der fleißige Blogleser wenigstens auch ein bisschen etwas ab vom Southamerican Spirit. Ich werde versuchen, zumindest hinsichtlich der Blogpünktlichkeit, deutsch zu bleiben.

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Viech der Woche: Das eine Viech der Woche habe ich in den letzten Tagen in einer so immensen Anzahl gesehen, dass es allein aus quantitativen Gründen erwähnt werden muss. Das zweite Tier ist so landestypisch, dass es fast ein Wunder ist, dass ich es nicht schon vorher in den Anden beobachten konnte. Es handelt sich bei Letzterem natürlich um das Lama. Auf meiner 3 Tagestour durch Wüste und Steppe konnte ich das Nationalviech der Anden nun des Öfteren sehen. Und obwohl ich es meiner Ansicht nach durchaus recht provokant mir meiner Kamera verfolgte, hat es mich nicht einmal angespuckt. Dafür sind die Dinger ja bekannt, zumindest in „Tim und Struppi“ Comics spucken sie. Statt Spucke hab ich von ihnen jedenfalls ein paar gute Fotos bekommen und das soll mir nur recht sein. Obwohl ich nur zu gerne wüsste ob die Spuckerei nicht vielleicht einfach ein Gerücht ist, um die wolligen Tiere interessanter zu machen. Ich werde versuchen es heraus zu finden (möglichst nicht am eigenen Leib). Das zweite, hübschere Tier hätte ich eher in Florida erwartet als da wo ich es sah. Es ist der vorher kurz erwähnte Flamingo. In jedem Wasserloch, das ich in den letzten Tagen zu sehen bekam, stolzierte gleich eine ganze Schar dieser Riesenvögel umher. Am Ende gab ich bei ihnen meine Penetranz mit der Kamera sogar gänzlich auf. Man kann sich tatsächlich satt sehen und fotografieren an gewissen Dingen, bzw. Viechern. Ich hoffe nur, dass mir diese Erfahrung nicht noch mit Viechern wie Schlangen und Spinnen widerfährt!

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Investition der Woche: Ich habe das erste Mal auf dieser Reise ordentlich Geld für Touren ausgegeben: 101€ für eine 3 Tagestour von San Pedro de Atacama zur und durch die Salzwüste von Uyuni, der größten Salzwüste der Welt. 3 Tage lang ging es durch die, wie schon gesagt, atemberaubende Natur Chiles und Boliviens. Diverse Lagunen, Geysire, ein aktiver Vulkan, ein Hotel ganz aus Salz, noch mehr Salz in der schneeweißen Wüste und jede Menge leckeres Essen waren im Preis inbegriffen. Es hat sich gelohnt und war obendrein mal ganz angenehm nicht immer alles selber organisieren zu müssen. Weiterhin habe ich 18,80€ für 2 Stunden Sandboarden und Sonnenuntergang im Valle de Luna ausgegeben, die auch jeden Cent wert waren. Die 23,53€ die ich für das Sterne gucken in der Wüste ausgab leider nicht so richtig. Der Sternenhimmel war zwar einzigartig, der Blick durch die Teleskope auf Pluto und Konsorten auch, die erhofften Informationen aber leider nicht besonders neu. Aber es kann ja nicht alles immer 100% sein Geld wert sein. Die Beträge halten sich ja zum Glück in Grenzen. Die geführten Touren auf jeden Fall auch. Ich habe mal wieder bemerkt, wie sehr ich es hasse immer einem Tourguide hinterher zu trotten. Für das verhältnismäßig viele Geld der letzten Tage, habe ich jedenfalls alles in allem wieder eine ziemlich starke Woche gehabt, die in Uyuni endete und mit einer ganz neuen Kultur und Umgebung begann: ich bin jetzt in Südamerika und zwar dem Südamerika, wie man es sich vorstellt. Und auch nie nächsten Investitionen sollten sich in Grenzen halten, zahlt man zum Beispiel für eine 7-stündige Busfahrt in Bolovien nur noch 3,22€. Ich bin also gespannt auf den Preis der nächsten Investition der Woche.

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Rest der Woche: Nachdem ich Valparaiso (nicht ohne mir dort noch begeistert das Haupthaus Pablo Nerudas anzugucken) wieder einmal 3 Tage später als angedacht verlassen hatte, fuhr ich 24 Stunden lang die Küste Chiles hinauf, um nachts um 12 in San Pedro de Atacama anzukommen. Die Busstation lag mitten in der Wüste (und das ist nicht sprichwörtlich gemeint) und es gab eine einzige Laterne und keinen einzigen Van der mich, oder die anderen 3 Mädels die ich im Bus kennengelernt hatte, wie versprochen dort abholte. Als der Bus der 2 Kanadierinnen kam, fuhr ich kurz entschlossen einfach mit in ihr Hostel, da ich wenig Lust hatte alleine des Nachts durch die Wüste nach meinem unzuverlässigen Hostel zu suchen. Mit den 3 Mädels verbrachte ich dann auch die nächsten Tage mit Sandboarden, Sonnuntergang und Wüstentour. Auf dieser Tour lernte ich wiederum 2 Jungs kennen (Engländer und Schweizer) die mit mir am Sonntagabend aus Uyuni nach Potosí fuhren. Zum Glück, denn als ich in Uyuni ankam, hatte ich das erste Mal das Gefühl einen Kulturschock zu erleiden. In dem 15.000 Einwohner Städtchen war alles staubig, bis auf die farbenfroh gekleideten Menschen die dort herumsaßen. Die Menschen trugen die Trachten, die wohl jeder schon mal auf Fotos gesehen und bewundert hat. Irgendwie hatte ich immer gedacht, das sei nur zu Touristenzwecken. Im liebsten hätte ich jeden Augenblick und Wimpernschlag fotografiert, so anders war alles für mich. Als wir dann Abends zum Bus kamen, war ich heilfroh, dass ich in Begleitung zweier Jungen und nicht alleine war. Zum ersten Mal dachte ich kurz, dass das Alleine-Reisen und Süd und Mittelamerika vielleicht doch keine gute Idee sei. Der Bus war picke packe voll mit Bolivianern (in ihren Trachten). Auf einem 4er Sitz saßen mindesten 8 Bolivianer, im Gang standen und saßen jede Menge weitere. An Blog-schreiben-im-Bus war nicht zu denken, da die Straße nicht asphaltiert war und der Sitz so schmal, dass dort wo eigentlich mein linker Arm war, der des Engländers war. Nach 7 holprigen und schlaflosen Stunden in dieser Schrottkiste kamen wir schließlich bei strömendem Regen in der höchsten Stadt der Welt, Potosí an. Alles andere als hoch erfreut waren wir, als das Taxi uns vorm Hostel abgesetzt hatte und uns trotz Reservierung keiner öffnen wollte. Eine Stunde später lag ich dann in einem anderen Hostel, in einem Einzelzimmer (das mich wie ein Dorm nur 3 Euro kostete) und schlief völlig erschöpft ein. Morgen geht es dann also richtig los in der fremden Welt. Dann geht es zuerst in die Mienen von Potosí, dann abends nach La Paz, um von dort nach Arequipa in Peru zu fahren. Dort werde ich einen Monat in einem Waisenhaus arbeiten. Aber dazu dann nächste Woche, hoffentlich nach deutscher Zeit, mehr.

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