Work & Life Sydney

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Viech der Woche: Ein Hai. Ja, dass es einmal so gefährlich werden würde, hatte ich gehofft. Deshalb existiert diese Rubrik ja überhaupt. Wegen der Tiere die einem hier in Australien über den Weg laufen, krabbeln, schlängeln, fliegen oder eben schwimmen. Letzten Sonntag war am Bronte Beach Hai Alarm. 2 Haie wurden gesichtet, was hieß: Alle Mann raus aus dem Wasser. Frauen und Kinder natürlich auch. Nur nicht unbedingt zuerst. Dann kam ein Helikopter und flog ein bisschen wirr über dem Meer hin und her, die Rettungsschwimmer tröteten mit ihren Trompeten und es gelang ihnen angeblich innerhalb weniger Sekunden die beiden Haie zu vertreiben. Die Leute schienen dem jedenfalls Vertrauen zu schenken, denn nach nur wenigen Sekunden befanden sich sämtliche Männer, Frauen und Kinder wieder fröhlich, als wäre nichts gewesen, im Wasser. Ich nicht. Ich beobachtete dieses seltsame Verhalten skeptisch und interessiert von meinem sicheren Café aus, welches mir ohnehin momentan äußerst selten Gelegenheit gibt mich in solche oder ähnliche Gefahren zu begeben. So gehen die Australier jedenfalls mit ihren gefährlichen Landstieren um, sie zeigen ihnen, dass sie unwillkommen sind und machen dann einfach so weiter wie bisher. Ignoranz ist auch für mich die einzige Option mit dem Wissen dieser Viecher zu leben. Und Distanz. Erst mal 24 Stunden nicht mehr da schwimmen wo Haie waren. Bringen tut das mit Sicherheit nicht wirklich etwas. Meine Krankenversicherung verlängere ich jedenfalls auch mit Sicherheit.

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Erfahrung der Woche: Die Zeit vergeht rasend schnell. Und es gibt Momente, da legt sie nochmal einen Zahn zu. Dann nämlich, wenn andere Leute hierher zu Besuch kommen. Sie haben 3 Wochen Zeit, die sich für mich wie eine Woche anfühlen. Die Armen. Zurück will eigentlich nie jemand. Kein Wunder. Man lebt hier wirklich einen Traum, das wird einem dann wieder wunderbar deutlich. Dann bleibt man nach seinem Acht-Stunden-Tag im Strandcafé stehen, hält den Atem an, saugt die warme Luft in sich ein, den Duft nach einer Pflanze die irgendwie nach Freiheit riecht, nach Sonnenuntergang, dazu der Geruch des Meeres. Und dann erst dieser Blick… Man ist glücklich, weiß, man hat alles richtig gemacht und freut sich auf die nächsten 3 Monate. Die, wenn man ehrlich ist, nur noch 2,5 sind. Nicht mal. Und sie werden auch mir vergehen wie im Fluge. Also werde ich jetzt noch öfter stehen bleiben und genießen.

VW Bulli Gelb Sydney Airview   

Beobachtung der Woche: Wenn man so dasteht und dieses Gefühl von Freiheit verspürt, dann fragt man sich ob es möglich ist sein Leben lang so zu fühlen. Ist man ehrlich und denkt ein bisschen unromantischer darüber nach muss man sich schon eingestehen, dass man jegliche Verantwortung für diesen Aufenthalt abgestellt hat. Jedenfalls hat man keinerlei Verpflichtungen, außer pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen – zumindest wenn man gerade arbeitet und nicht reist. Wenn man es nicht schafft, sucht man sich eben einen neuen Job. Das sage ich nur, um zu verdeutlichen wie wenige Sorgen man sich machen muss. Als ich sagte ich habe keinerlei Vorsätze fürs Neue Jahr habe ich gelogen (in dem Wissen ich würde diese Lüge nun sofort berichtigen). Einen Vorsatz habe ich: Dieses sorglose Gefühl von Glück mit in mein echtes Leben, außerhalb dieser „No worries“-Seifenblase mitzunehmen. Ich frage mich nur, ob das überhaupt möglich ist in einer Gesellschaft wie wir sie in Deutschland haben, wo sich alles um Karriere und materielle Werte dreht. Das erste Mal in meinem Leben denke ich überhaupt darüber nach, ob das alles so richtig ist. Sollte man nicht immer ein Leben führen, in dem man so glücklich ist? Arbeiten, wenn man das Geld braucht, reisen wenn man die Sehnsucht verspürt? Das so verdiente Geld reicht alle Mal für einen guten Lebensstandard. Welche Sicherheiten brauche ich denn, außer einer Krankenversicherung? Doch eigentlich nur die eigene Sicherheit, dass ich jeden Tag etwas tue was mich glücklich macht. Wer braucht denn Karriere (sprich Geld), wenn er keine Zeit zum Genießen (sprich Glücklich sein) hat? Den Job den ich mache wenn ich wiederkomme mag ich und er macht Spaß. Dennoch werde ich den größten Teil meines Lebens mit Arbeiten verbringen. Von morgens bis abends, vergleichsweise wenig Zeit für Familie, Freunde, Hobbys – Freiheit eben. So erfüllend Arbeit auch sein mag, Zeit ist zu wertvoll um sein Leben nur mit Arbeit zu füllen. Leider sind die Leute in Deutschland anders gepolt. Das Wetter macht viel aus, gut. Klar ist es leichter morgens gut gelaunt zur Arbeit zu kommen wenn die Sonne scheint und man sich auf eine BBQ mit Freunden am Strand freut. Aber das ist nicht alles. Ich war auch vorher glücklich mit meinem Leben, auch mit dem Alltag. Dennoch weiß ich, dass ich nun noch einiges mehr vom Leben erwarte als vorher. Gut überhaupt mal über diese Dinge nachzudenken und zu wissen wie es noch sein kann und was man erwarten wollen kann.

Flower Girls Art (1)

Ort der Woche: Bondi Beach. Er sieht nicht so legendär aus wie ich dachte. Erst dachte ich ja, er wäre es gar nicht. Klein ist er, durchaus schön, aber die Promenade ist recht schäbig. Irgendwie ist er aber doch so wie man ihn sich vorstellt: Voll mit Surfern, Rettungsschwimmern, durchtrainierten Männlein und Weiblein, sehr vielen schönen und sehr vielen peinlichen Menschen. Im Moment wohne ich ungefähr 20 Meter entfernt die Straße hoch. So nah habe ich noch nie am Strand gewohnt. Und Bondi ist eben Bondi.

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Investition der Woche: Stolz kann ich berichten, dass ich die letzte Woche wirklich sehr sparsam war. Vielleicht zu sparsam. Denn als ich vom Sonnenuntergang gucken in Double Bay mit der U-Bahn nach Hause fahren wollte, hätte mich das fast eine 200 Dollar Strafe gekostet! Und von solcher Art Kosten habe ich ja nun wirklich schon genug am Hals (ein geklautes Rad und so). Da ich kein Cash hatte und der einzige Bankautomat kaputt war, riet mir ein hilfsbereiter Aussi ich solle einfach ohne Ticket einsteigen, weil es hier ohnehin keine Einlass-Schranken gebe. Er fügte hinzu, ich solle bei der nächsten Station einfach ein Ticket per Kartenzahlung kaufen. Das wollte ich dann auch machen, aber jeder kennt dieses Schrankensystem aus dem Ausland. Man spart die Kontrolleure durch Schranken. Man kommt nur raus, wenn man ein Ticket hat – will man weiterfahren, muss man innerhalb der Schranken bleiben und braucht kein neues Ticket. So fuhr ich bis „Bondi Junction“ wo ich die Schranken dann aber irgendwie verlassen musste. Ich beschloss zu sagen ich habe mein Ticket verloren. Der indische Herr an der Schranke prüfte mich und fragte nach dem Preis, den ich für mein Ticket bezahlt hätte, belehrte mich, war sauer und ließ mich dann, als ich auf deutsches, ahnungsloses Dummchen machte, ohne die 200 $ Strafe gehen. Ich habe 3,70 $ gespart, fühle mich nun aber 10 Jahre älter. Manchmal ist Geld Zeit.

Bondi Beach Moon (1)

Categories: Australien

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