Beginn // Die erste große Reise

Qantas KangarooFlieger 8Flieger 10Meine erste Beobachtung von Australien? Die haben Fenster in ihren Geldscheinen. Und während des vergeblichen Versuchs mir irgendwo zwischen Frankfurt und Singapur ein Mützchen voll Schlaf zu holen kamen mir, so vor mich hindösend, nur zwei Möglichkeiten dafür in den Sinn: Entweder sind die Australier große Patrioten und finden ihre Landschaft und sich selbst so schön, dass sie niemals darauf verzichten können ihre Umgebung aus dem Blick zu verlieren, auch nicht während ihrer Geldgeschäfte. Oder aber sie schauen sich durch das kleine Fenster ein Objekt der Begierde an, quasi durch die gelderne Brille, um dann besser abwägen zu können was sie lieber hätten: den bunten Geldschein mit bekanntem Tier oder Mensch, oder eben jenes Objekt. Ich kapitulierte und beschloss einfach zu überprüfen, wie sich das Fenster auf mein eigenes Kaufverhalten auswirken würde. Nun ja, das mit dem Schlafen scheiterte jedenfalls nicht nur aufgrund komischer Gedanken über Geldscheine, sondern größtenteils wegen der im Flieger angebotenen 62 Topfilme, 74 TV Serien, 20 Radiosender und einer CD Bibliothek, die sogar meine sammelfreudigsten Freunde vor Neid hätte erblassen lassen. Zu allem Überfluss klauten mir die dafür Verantwortlichen (wer auch immer das sein mag) auch noch einen kompletten Tag meiner wertvollen Zeit. Den bekomme ich aber ja wieder, wenn ich zurückfliege, und so sehe ich es vorerst als eine Investition in die Zukunft – die erste meines Lebens. Als ich nach 38 Stunden Flug, Umsteigen, Warten und Dösen endlich in Cairns ankam, beunruhigten mich nicht mehr nur Australiens Tiere mit ihren 4 Augen, 2 Köpfen und unzähligen Beinen, sondern auch, dass Australiens Einwohner ebenfalls zu viele dieser Körperteile besaßen. Als ich meine Reisebegleitung Philipp erschrocken ansah, bemerkt ich, dass ich, vor lauter Müdigkeit, alles doppelt sah. Weder die Sehschwäche, noch das Wasserbett im Hostel, konnten mich allerdings jetzt zum Schlafen bewegen. Unbedingt wollten wir zuerst einmal Richtung Zentrum laufen und schlenderten also den Pier an einem wunderschönen, menschenleeren Meer entlang. Menschenleere Traumstrände direkt neben der Innenstadt? Sollten wir also tatsächlich im Paradies angekommen sein? Ein Schild mit Krokodilwarnung holte uns auf den australischen Boden der Tatsachen zurück. Wie unentspannt. Wie entspannt dafür alles andere hier war, wurde uns dann nach der nächsten Palme klar: Überall auf den Wiesen chillten Leute allen Alters mit Gitarre. An öffentlichen, fest installierten BBQ Stellen, die jeder gratis nutzen darf, wurde gegrillt und eine Liveband stand an dem großen, ebenfalls öffentlichen Pool. Ich fühlte mich wie in einem Musikvideo, und die Liveband spielte den Soundtrack dazu. Cairns ist eine Illusion, eine Fatahmorgana. Nicht, weil es so schön ist (nicht das es hässlich wäre, aber schön ist es auch nicht) sondern eher, weil man die Freiheit hier praktisch anfassen kann. Hier zählen andere Werte. Klar, Geld schon, aber nicht woher du kommst, was du gelernt hast, oder was du anhast. Und Zeit existiert nicht. „No worries“ heißt es hier, wenn der Typ im Supermarkt eine geschätzte Ewigkeit versucht die Öffnung seiner Plastiktüte auseinander zu friemeln. Stimmt ja irgendwie, schneller wird er durch nervöses Hin-und-Hergewippe und genervtes Schnaufen ja eh nicht… Zum Abendessen gingen wir dann mit unserem Essensgutschein und 238 Broschüren, mit Tipps für Trips an der Ostküste, ins angeblich legendäre „Wool Sherd“. Es gab Reis mit Kidney Bohnen und Scharf, die Einheimischen hier nennen das „Chili con Carne“. Das man im Wool Sherd aber lieber Drinks bestellt und die Tische auch besser zum Tanzen als zum Essen benutzt, sollten wir erst später lernen. Bei der Menge des Abendessens, freute ich mich dann jedenfalls dass ich alles doppelt sah, denn so hatten wenigstens meine Augen das Gefühl, ich hätte tatsächlich etwas zu mir genommen. Zurück im Hostel ließ ich mich dann endlich vom Wasserbett sanft in den Schlaf schaukeln. Genau bis 4 Uhr morgens. Er hatte mich also doch erwischt, der Jet Lag. Dabei hatte ich extra 21 Stunden am Stück Filme geguckt, zwei Gin Tonic und einen extra starken Kaffee im Flieger geschlürft und mich insgesamt fast 38 Stunden wach gehalten – und jetzt konnte ich trotzdem nur 5 Stunden schlafen…

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